Konferenz: Politische Psychologie heute? -- Cluster IV der Kritischen Universität Hannover (KUH)
In den letzten Jahren wird die Politische Psychologie allerdings, wie andere kritische Wissenschaften auch, an den wenigen Orten, an denen sie noch institutionell verankert ist, immer mehr als "veraltet" und "nicht anschlussfähig" gebrandmarkt und an den Hochschulen wegrationalisiert.
Die aufgrund dieser Entwicklungen im letzten Jahr an der Leibniz Universität Hannover gegründete "Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie" (AG PolPsy) diskutiert unter folgenden Fragen grundsätzlich über die Aktualität der Politischen Psychologie: Worin liegen die Chancen einer Politischen Psychologie heute und wofür brauchen wir sie eigentlich noch? Welche Rolle kommt der Psychoanalyse in ihr zu? Wie sind die psychoanalytischsozialpsychologischen Konzepte einzuschätzen, die momentan breiter aufgegriffen werden? Wie kann die Politische Psychologie aktualisiert werden? Welche neuen gesellschafts-, kulturund subjekttheoretischen wie auch psychoanalytischen Theorieentwicklungen müssen aufgegriffen werden, um aktuelle gesellschaftliche Phänomene erklären zu können?
Ziel der Tagung ist es also nicht nur, nach der Bedeutsamkeit der politisch-psychologischen Traditionen für die Gegenwart zu fragen und zusammenzutragen, was aktuell unter Politischer Psychologie verstanden wird. Thematisiert werden soll, ob und ggf. wie die Politische Psychologie durch das Aufgreifen neuerer theoretischer und methodischer Ansätze und das Erschließen neuer Anwendungsgebiete aktualisiert und vorangetrieben werden kann.
Auf der Tagung sollen die folgenden vier Themenkomplexe im Zentrum stehen:
- Tradition der analytisch fundierten Politischen Psychologie: Wo sind aktuell interessante Anschlussstellen? Welche Konzepte und Debatten lohnt es für eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Politischen Psychologie aufzugreifen?
- Aktuelle theoretische Ansätze: Wie kann die Aufnahme von neueren psychoanalytischen Konzepten, kritischen Theorien (z.B. Foucault, Bourdieu, Performativitätstheorien) und geschlechterperspektivischen Fragestellungen die Politische Psychologie befruchten? Wie lassen sich diese Ansätze aus einer transdisziplinären Perspektive vermitteln?
- Aktuelle thematische Ausrichtungen: Mit welchen neuen gesellschaftlichen Problemfeldern muss sich die Politische Psychologie heute auseinandersetzen? Welche empirischen Ansätze können dabei unter welchen methodischen Prämissen verfolgt werden?
- Wissenschaftsstatus der Politischen Psychologie: Was ist das Politische an der Politischen Psychologie? Wie verhalten sich Parteilichkeit, Moral und wissenschaftliche »Objektivität« in der Politischen Psychologie zueinander? In welchem Verhältnis steht die Politische Psychologie zur Institution Universität?
Programm:´
Freitag, 4. Dezember 2009
15.00 - 15.30 Uhr:
Begrüßung
15.30 - 17.30 Uhr:
Eröffnungsvorträge
Lilli Gast (Berlin) und Detlev Clausen (Hannover):
Warum brauchen die Sozialwissenschaften die Psychoanalyse?
18.00 - 20.00 Uhr:
Panel 1: Traditionen
Gudrun Brockhaus (München):
Lernen von den Klassikern – zur Aktualität der Faschismus Analyse in "The Authoritarian Personality"
Alfred Krovoza (Mainz - Hannover):
Psychoanalytisch verstandene Subjektivität als emanzipative/revolutionäre Ressource
Samstag, 5. Dezember 2009
09.00 - 12.00 Uhr:
Panel 2a: Integration und Ausgrenzung
Samuel Salzborn (Gießen):
Zur politischen Psychologie des Antisemitismus
Guido Follert (Hannover) und Mihri Özdogan (Hannover):
Thesen zu Muslimenfeindschaft
Christoph H. Schwarz (Frankfurt am Main):
Adoleszenz und politische Sozialisation in palästinensischen Flüchtlingscamps
13.30 - 16.30 Uhr:
Panel 2b: Geschlecht und Sexualität
Isabelle Hannemann (Hannover):
"Körper, Liebe, Doktorspiele" Aufklärungskampagnen und Verklärungspolitik
Julia König (Frankfurt am Main):
Begehrensverhältnisse in der Krise? Zur Dialektik der Wahrnehmung und des Begehrens geschlechternormen-inkonformer Körperinszenierungen im Kindesalter
Anke Kerschgens (Frankfurt am Main):
Zur widersprüchlichen Modernisierung des Geschlechterverhältnisses: Arbeitsteilung in Familien
17.00 - 19.00 Uhr:
Panel 3: Neue theoretische Ansätze
Greta Wagner (Frankfurt am Main):
Subjektivierung weiblicher Adoleszenter
Michael Zander:
Im Schutze der Unbewusstheit. Zur psychologischen Fundierung des Habitusbegriffs Pierre Bourdieus
19.30 - 20.30 Uhr:
Hans-Joachim Busch (Frankfurt am Main):
Psychoanalytische Politische Psychologie heute. Zwischenbilanz und Perspektiven
Sonntag, 6. Dezember 2009
10.00 - 13.00 Uhr:
Panel 4: Methodologische Fragen/Wissenschaftsstatus
Hans-Dieter König (Frankfurt am Main):
Zur empirischen Erforschung politpsychologischer Fragestellungen mit Hilfe der Psychoanalyse
Karola Brede (Frankfurt am Main):
Zum Geltungsanspruch psychoanalytisch orientierter Sozialforschung
Christine Kirchhoff (Berlin):
Wozu noch Metapsychologie
13.30 - 15.00 Uhr:
Lilli Gast (Berlin), Hans-Joachim Busch (Frankfurt am Main), Markus Brunner (Hannover) und Julia König (Frankfurt am Main). Moderation: Rolf Pohl
Podiumsdiskussion
Kooperationspartner:
Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie an der Leibniz Universität
Hannover (www.agpolpsy.de)
Kontakt:
Sebastian Winter (winter[at]sozpsy.uni-hannover.de)
Teilnahmegebühr:
30€ regulär
10€ SchülerInnen, Studierende, Alg-II-EmpfängerInnen ...
5€ StipendiatInnen der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Bitte überweisen Sie den entsprechenden Betrag bis zum 23.11.2009 auf folgendes Konto:
Institut für Soziologie | Nord / LB Hannover | BLZ 25050000 | Kto 106030190 | Betreff: 14607200961
Den Flyer als download gibts
hier.